Gerät der Mittelstand in eine existenzbedrohende Kreditklemme? Für Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, nimmt als Folge der Krise die Bonität der Firmen ab und die Banken lehnen zunehmend Kreditanträge des Mittelstandes ab.
Die Finanzierungsbedingungen dürften sich im Laufe dieses Jahres deutlich verschlechtern, die Investitionspläne dadurch zusätzliche Abstriche erhalten. Dennoch will Irsch nicht den Super-Gau des Kapitalmarktes an die Wand malen: "Eine allgemeine Kreditklemme liegt bislang nicht vor und wird es voraussichtlich auch nicht geben", versucht der Ökonom zu beruhigen. Der Grund für den vorsichtigen Optimismus seien die Sparkassen und Volksbanken, die einen wachsenden Anteil der Mittelstandsfinanzierung beisteuerten.
Zu den Kellerkindern der Wirtschaft gehören mehr als eine halbe Million mittelständischer Firmen, die von den Geldinstituten definitiv keinen Kredit bekommen. Eine Studie der KfW führt zum Ergebnis: Der Anteil jener Firmen, bei denen alle Kreditverhandlungen gescheitert sind, ist seit 2007 kontinuierlich von 14 auf 19 Prozent gestiegen. Die 3,7 Millionen Mittelständler profitierten zudem kaum von der Erholung der Kapitalmärkte, so Irsch, da sie "keinen Zugang zum Anleihenmarkt" hätten. Die Zurückhaltung der Banken hat einen Grund, weiß Irsch: Die Eigenkapitalquote und damit die Bonität der Banken selbst nimmt ab. Aber auch das Sonderprogramm des Bundes löst nicht das Problem: Erst sieben der 40 Milliarden Euro flossen bisher.